5.1 Kultur-Kreative Aktivitäten und Angebote
Theater
Wenn es zutrifft, dass eine mädchen-orientierte Pädagogik darauf abzielt, Schülerinnen zu tüchtigen, selbstbewussten Menschen zu machen, dann muss das Theaterspiel innerhalb eines solchen pädagogischen Konzepts einen besonderen Stellenwert haben.
Wo wird es Mädchen denn sonst wohl ermöglicht, sich in verschiedenen Rollen, auch Männerrollen zu erproben, somit das Eigene, Vertraute genauso wie das Fremde durchzuspielen? Wo brauchen sie in vergleichbarer Weise positives Durchsetzungsvermögen und wo lernen sie produktive Teamarbeit, wenn nicht bei einem Theaterprojekt, wo es immer darauf ankommt, den eigenen Part konsequent und zuverlässig bei Mitspielerinnen und vor großem Publikum zu vertreten und sich zugleich in die Gruppe zu integrieren, durch die sie sich gestützt und ergänzt fühlen?
Schülerinnen von der fünften bis zur dreizehnten Klasse spielen zusammen, arbeiten zusammen. Texte müssen zuverlässig gelernt werden, und alle Schülerinnen verinnerlichen dies: Bei den Proben kommt es auf jede Mitspielerin an.
Mädchen machen Theater - d. h. Mädchen ergreifen laut und unüberhörbar das Wort, sie beherrschen die Szene, sie dürfen brüllen vor Zorn, schreien vor Lachen, sie fechten Stellvertreterduelle aus, gezielt riskieren sie die Provokation und wägen sich souverän über die Grenzen des Lächerlichen hinaus: Sie müssen/sollen nicht schön sein, im Gegenteil - solche geschlechtsspezifischen Zwänge können sie fröhlich missachten.
Außerdem regeln sie technische Einzelheiten wie Beleuchtung und Lichteffekte, entwerfen Bühnenbilder, kümmern sich um die - möglichst phantasievolle - Kostümierung, sorgen für Werbung, Programme, Plakate, suchen Werbeträger und organisieren den konkreten Ablauf des Theaterabends.
Ein solch komplexes Unternehmen aktiviert viele Talente.
Darüber hinaus gibt es viele Theaterprojekte, die aus dem aktuellen Unterrichtsgeschehen erwachsen. Die Einrichtung der Studiobühne, einer zweiten Bühne neben der Aula, ermöglicht eine intensive Theaterarbeit.
(siehe "Musik-, Tanz- und Theaterprojekte")
Tanz und Tanztheater an der Marienschule
An der Marienschule wird schon seit vielen Jahren im Musikunterricht und in verschiedenen AGs dem Tanz und Tanztheater ein spezieller Platz eingeräumt.
In einer mädchenorientierten Pädagogik erlaubt das künstlerische Tun den Heranwachsenden ihre Gedanken, Gefühle, Vorstellungen und Fantasien aktiv zu gestalten und darzustellen. Es gewährt Spielraum für Subjektivität und inneres Probehandeln und hält den Blick frei für Lebensalternativen und Sinngebungen. Tanz eröffnet gerade Mädchen die Möglichkeit, in gelebter Nähe mit Gleichaltrigen ihr Selbst- und Werteverständnis und das Vertrauen in die eigenen Kräfte auszubilden.
Mit künstlerischer Arbeit als einer anderen Form des Lernens- und Schulemachens lassen sich bestimmte pädagogische Prinzipien einlösen: Sei es das "Lernen mit Kopf, Herz und Hand" oder das "Lernen als Entdeckungsprozess". Dabei wird deutlich, was Kinder und Jugendliche bewegt und was zu leisten sie in der Lage sind, wenn sie persönlich gefragt und gefordert werden.
Schülerinnen ab Jahrgangsstufe 8 übernehmen in den Hip Hop AGs bereits leitende Funktionen. Außer Hip Hop AGs werden Ballett, Modern-Dance und Tanztheater angeboten, die alle zur sozialen und künstlerischen Gestaltung des Schullebens beitragen.
Tanztheater zählt sicher zu den Künsten, die bisher am wenigsten in der Schule eine Rolle gespielt haben. Tanztheater ist anstrengend, es verlangt ein hohes Maß an Disziplin, Konzentration und Ausdauer. Seit 15 Jahren wird den Schülerinnen ab Jahrgangsstufe 10 diese Form des Tanzes nahe gebracht. Was könnte die Mädchen am Tanztheater faszinieren, nachdem die ersten schweißtreibenden Hürden überwunden sind? Tanztheater bedeutet die vollkommene Körperbezogenheit, das Erlebnis des eigenen Körpers als Mittel des Ausdrucks und der Gestaltung, das Eins-Seins von Selbstvergessenheit in der eingespielten Bewegung und von intensivem Bewusstsein des eigenen Körpers. Auch die ungewohnten, ungewöhnlichen Ausdrucksformen modernen Tanztheaters, die teilweise bizarren, skurrilen und rhythmisch verrückten Bewegungen und Gesten üben Faszination aus. Schülerorientierung heißt ja nicht, nur auf das Vertraute zu setzen, auf das, was sofort ankommt und unmittelbar Beifall findet, gerade im Neuen, Ungewöhnlichen und Experimentellen liegt ein besonderer Reiz für die Jugendlichen.
In regelmäßigen Abständen werden die Ergebnisse in einem Tanzabend der Schulgemeinde und der Öffentlichkeit erfolgreich präsentiert. Großen Erfolg erntete die Tanzgruppe "Hagazussa" mit den letzten Produktionen wie "XX-Geschlecht weiblich" und "Tanzabend 2004 Edward Hopper, der stumme Zeuge".
Ausstellungen in der Marienschule
Ein Umbau des Verwaltungsflures mit Lehrerzimmer und Sekretariat ermöglichte der Schule, einen als Ausstellungsgalerie nutzbaren Raum zu gewinnen. Die herausgehobene Lage, die großzügig bemessene Lichtanlage und eine umlaufende Bilderschiene erlauben eine den Ausstellungsstücken angemessene Exposition. Hauptnutznießer war bisher die Fachschaft Kunst, die vor allem beispielhafte und herausragende Ergebnisse aus dem Fachunterricht zeigen konnte. Die attraktiven Ausstellungsmöglichkeiten überzeugten auch auswärtige, der Schule freundschaftlich verbundene Künstler, ihre Werke der Schulöffentlichkeit zu präsentieren, und damit eine Öffnung der Schule für das kulturelle Leben außerhalb des Schulrahmens für den Bereich der bildenden Kunst zu ermöglichen.
Der Ausstellungsflur steht selbstverständlich auch anderen Fachschaften zur Verfügung und wurde schon beispielsweise von den Preisträgern des Geschichtswettbewerbs genutzt.
Die Ausstellungsaktivitäten haben darüber hinaus ein Bewusstsein für die Möglichkeiten einer Veränderung und Verbesserung der Atmosphäre des Schulgebäudes durch ansprechende Exponate ausgelöst und zu weiteren Aktivitäten im gesamten Schulgebäude ermutigt und ermuntert.
Autorenlesungen
Jedes Jahr findet an der Marienschule eine Autorenlesung meistens für die Schülerinnen der Sekundarstufe I statt, die dadurch in ihrem Leseverhalten gefördert werden sollen. Unterschiedliche Anliegen und Schreibweisen kamen vor den verschiedenen Jahrgängen zur Sprache: Kinder- und Jugendbücher mit psychologischen und sozialkritischen Themen, Biographien, historische Romane und Erzählungen mit zeitgeschichtlichen Bezügen. Zu den Gastautoren zählten u.a. Willi Fährmann, Gudrun Pausewang und Erich Loest.
Alle zwei Jahre nehmen einzelne Klassen und Kurse außerdem das Angebot der Stadt Münster an, einen Teilnehmer oder eine Teilnehmerin des Lyrikertreffens zu einer Dichterlesung einladen zu dürfen.
Der lebendige Kontakt zu den Autoren und Autorinnen, den Lyrikern und Lyrikerinnen spricht die Schülerinnen an und ermutigt oft, die eigenen Schreibversuche ernst zu nehmen und zu vertiefen. Diese Begegnungen führen häufig zu einem Motivationsschub für die Behandlung der Texte im Unterricht und geben den Schülerinnen Einblicke in den Literaturbetrieb.
Geplant ist von der Fachschaft Deutsch außerdem auch, Schülerinnen als Autorinnen der Schulöffentlichkeit bekannt zu machen, indem in einem feierlichen Rahmen eigene Texte der Schülerinnen vorgestellt werden können. Die Mädchen sind dazu eingeladen, entweder lyrische Texte oder Kurzprosa zu verfassen. Sie werden durch entsprechende Unterrichtsreihen motiviert und angeleitet, eigene Texte zu erstellen. So soll das produktorientierte Lernen, die eigene Kreativität und die Ausdrucksfähigkeit der Schülerinnen unterstützt werden.