1.4 Religöses Leben an der Marienschule
Die Marienschule ist als katholisches Mädchengymnasium durch seine Ausrichtung an den Grundüberzeugungen und Werten christlicher Welt- und Lebensdeutung geprägt. Religiöse und ethische Erziehung der Schülerinnen sind daher zentrale Anliegen der Schule.
Vorhandene Anbindungen der Schülerinnen an ihre Ortsgemeinden bieten Chancen, das religiöse Leben an der Schule zu ergänzen und zu vertiefen.
Religionslehrerinnen und -lehrer arbeiten als Team, das sich sowohl in Fragen des Religionsunterrichtes, sozialer Projekte, der Gottesdienstfeiern und auch hinsichtlich individueller Betreuung und Beratung der Schülerinnen auf ein sinnvolles Vorgehen verständigt.
Schulgottesdienst und religiöse Angebote
Die gemeinsame Feier des Gottesdienstes - entweder als Wortgottesdienst oder als Eucharistiefeier - ist ein wichtiger Bestandteil des religiösen Lebens in der Marienschule. In der Regel wird wöchentlich ein Gottesdienst für je eine der Jahrgangsstufen 5 bis 10 angeboten, der von einer der Klassen im Rahmen des Religionsunterrichtes eigenverantwortlich vorbereitet wird (siehe Gottesdienstplan). Darüber hinaus finden zu besonderen Anlässen (Schuljahresbeginn, Schuljahresende, Advent, Aschermittwoch, Verabschiedung der Jahrgangsstufe 13) Gottesdienste für die ganze Schulgemeinde oder bestimmte Jahrgangsstufen (Einschulungsgottesdienst der Sextanerinnen, Abschiedsgottesdienst der Abiturientia) statt.
Als Räumlichkeiten werden die Antoniuskirche, deren Krypta, die Schulaula, der Musiksaal und der Meditationsraum "Arche" genutzt. Der im Dezember 2003 eingeweihte Meditationsraum ist ein Raum der Stille, des Gebetes und Sich-Findens und damit ein wichtiger Rückzugsraum aus dem hektischen Schulalltag.
Er wird von Lehrerinnen, Lehrern und Schülerinnengruppen etwa zur gemeinsamen Meditation gern genutzt.
Besondere Angebote im Zusammenhang mit dem Kirchenjahr (Adventssingen, meditative Pausen, Fastenaktion), Tage religiöser Orientierung (->TrO), ökumenische Gottesdienste, die Fahrt der Jahrgangsstufe 6 ins Bibelmuseum bei Nijmwegen, Gestaltung des Schulraums (Krippe, "Wort für die Woche") und soziale Aktionen bzw. Projekte tragen zur Vielfalt des religiösen Lebens der Schule bei.
Förderung der Ökumene
An der Marienschule als bischöflicher Schule gibt es sowohl katholischen als auch evangelischen Religionsunterricht.
Dabei bilden die evangelischen Schülerinnen aller Parallelklassen eine Gruppe, die in einem eigenen Fachraum für evangelische Religion unterrichtet wird. Der Ökumene kommt an unserer Schule eine besondere Bedeutung zu. Die Religionslehrer beider Konfessionen arbeiten in einer Fachschaft zusammen: Sie planen gemeinsame Projekte, bereiten gemeinsame Gottesdienste vor und kooperieren in allen wichtigen Fragen des Religionsunterrichts. Die ökumenische Ausrichtung des Religionsunterrichts kommt besonders in den ökumenischen Gottesdiensten zum Ausdruck, die regelmäßig in Zusammenarbeit mit der Trinitatisgemeinde stattfinden.
Tage religiöser Orientierung
Eine besondere "Aus-Zeit" vom üblichen Schulalltag sind Tage religiöser Orientierung (TrO). Im Rahmen der Schulpastoral unseres Bistums fahren die Schülerinnen der Jahrgangsstufen 10 und 13 für drei Tage in ein Bildungshaus des Bistums Münster.
TrO bieten den Schülerinnen Freiraum, außerhalb des Schulalltags Fragen der eigenen Lebensorientierung und Sinnfindung zur Sprache zu bringen, z. B. nach der Gestaltung der eigenen Zukunft, nach dem Umgang mit der eigenen Zeit und mit Grenzerfahrungen, nach der Selbstwerdung in vielfältigen Beziehungen.
Dabei soll die Frage nach der Bedeutung des Glaubens für die eigene Lebensgestaltung offen gehalten werden. Vorbereitung und Gestaltung von TrO folgen einem teilnehmerorientierten Konzept; die Themen der TrO werden von den Schülerinnen selbst gewählt. Nur so ist gewährleistet, dass diese Tage für die Schülerinnen sinnvoll werden.
In unserem Bistum wird die inhaltliche Arbeit bei TrO von hauptberuflichen Referenten und Referentinnen und freien Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen - in der Regel Studierende theologischer und pädagogischer Fachrichtungen - geleistet. Letztere werden von hauptamtlicher Seite angeleitet und begleitet. Sie qualifizieren sich für die TrO-Arbeit über ihr Studium hinaus durch regelmäßige Praxisreflexion und fachliche Fortbildungen.
Lehrer und Lehrerinnen nehmen an den thematischen Einheiten normalerweise nicht teil. Das inhaltliche Arbeiten soll nicht beeinflusst werden von schulisch geprägten Rollenzuweisungen. Dennoch ist eine Kooperation zwischen der Kursleitung und den begleitenden Lehrerinnen und Lehrern sinnvoll, um Absprachen über den Rahmen und den Verlauf der TrO zu treffen und um im Gespräch über die Arbeit mit der Gruppe zu bleiben.
Engagement für "Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung"
Die JUNWANI-AG
Unter dem Leitgedanken "ERFAHREN - VERSTEHEN - HANDELN" engagiert sich die Marienschule mit der JUNWANI-AG seit 1988 für Kinder und Jugendliche im Bistum Jabalpur in Zentralindien.
Junwani ist eines der entlegensten Dörfer Zentralindiens, das zu 80% von Adivasis, indischen Ureinwohnern, bewohnt wird, die meist als Wanderarbeiter etwas Geld verdienen. Folglich werden viele Kinder nicht zur Schule geschickt, und vor allem Mädchen müssen dem Schulunterricht fernbleiben.
Die JUNWANI-AG ist benannt nach ihrem ersten Projekt, dem Bau einer High School in Junwani. In dieser Eine-Welt-Arbeitsgemeinschaft
Bisher wurden durch den Einsatz der JUNWANI-AG zusammen mit der gesamten Schulgemeinde, Verwandten und Freunden der Schule folgende Projekte im Bistum Jabalpur über das Hilfswerk BasisGesundheitsDienst e.V. Münster durchgeführt:
Aktuelles Projekt ist der Bau einer Wohnunterkunft für Mädchen in Junwani.
Geplant ist:
Dieser Arbeitskreis informiert neben dem Erfahrungsaustausch und der Kooperation münsterscher Schulen mit Nord-Süd-Beziehungen durch Aktionen in der Öffentlichkeit über Eine-Welt-Arbeit an den Schulen in Münster und möchte für diese Arbeit motivieren.
Mit dem Junwani-Projekt setzt sich die Marienschule ein für das Recht des Kindes auf Bildung und leistet einen Beitrag zum globalen Lernen.
SNOW als ökologisches Projekt
Neben der Behandlung ökologischer Probleme im Fachunterricht sollen die Schülerinnen die Möglichkeit haben, ihr Wissen und ihre Einsichten in praktisches Handeln umzusetzen.
Das kann reichen von der Mülltrennung im Schulbereich bis hin zur Teilnahme an aktuellen ökologischen Projekten wie z. B. dem SNOW - Netzwerk, bei dem wir 2003 den Betrieb beispielgebender innovativer Energieformen unterstützten.
Diese Maßnahmen verbinden also Wirtschaft und Umweltschutz im eigenen Land mit Umweltschutz und Entwicklungsförderung in den Entwicklungsländern.
Kontakte zu sozialen Einrichtungen
Religiöses Leben wird auch und gerade konkret durch den Kontakt mit sozialen Einrichtungen. So gibt es beispielsweise eine Verbindung zum Clemens-Wallrath-Haus, einem geronto-psychiatrischen Zentrum in der Nachbarschaft der Schule. Unsere Schülerinnen konnten dort Erfahrungen im Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen sammeln. Ein gemeinsames Projekt im Rahmen der Projekttage 2002 der Marienschule zum Thema "Schule gestern und heute" war für die jungen und älteren Menschen ein bereicherndes Erlebnis. Der Kontakt zu dieser Einrichtung soll noch vertieft werden.
Darüber hinaus werden immer wieder, in den verschiedensten Projekten, Kontakte zu sozialen Einrichtungen geknüpft, um vor Ort lernen zu können: etwa beim Frühlingssingen im Seniorenwohnheim; beim SKF (dem Sozialdienst Katholischer Frauen) in Münster; bei einem Besuch in einem Gotteshaus jüdischer oder muslimischer Gemeinden; bei Gesprächen mit Seelsorgern und Sozialarbeitern in Pfarrgemeinden und Beratungsstellen.
Die in diesen Begegnungen gemachten Erfahrungen setzen sich im Sozialpraktikum in der Jahrgangsstufe 11 (siehe Sozialpraktikum 4.3) fort.