1.3 Selbstverständnis als katholische Schule

Hinter dem Konzept der Marienschule, einer freien katholischen Schule, steht die Überzeugung, dass eine christlich orientierte Erziehung jungen Menschen helfen kann, im Umgang mit sich selbst und mit anderen zu einem gelingenden Leben zu finden. Die Erziehung und Bildung von Mädchen auf der Grundlage eines christlichen Menschenbildes und der befreienden Botschaft des Evangeliums hat eine lange Tradition an unserer Schule. Die Schule stellt einen Lebensraum dar, in dem die Schülerinnen sich geborgen fühlen und Grundlagen für eine bewusste, eigenverantwortliche Lebensgestaltung erwerben können.

Die Marienschule ist ein Angebot von verantwortungsbewussten Christen für junge Menschen, die neben qualifizierter gymnasialer Bildung auch eine christliche Lebensorientierung suchen. Deshalb nehmen wir auch nichtkatholische Schülerinnen, die diesem Leitgedanken zustimmen, auf.

Die Ausrichtung an den Grundüberzeugungen und Werten christlicher Welt- und Lebensdeutung prägt die Marienschule. Daher ist die religiöse und ethische Erziehung der Schülerinnen ein zentrales Anliegen der Schule. Alle Schülerinnen sind verpflichtet, bis zum Ende der Jahrgangsstufe 12 am Religionsunterricht teilzunehmen.

Die religiöse Erziehung soll die Schülerinnen befähigen, ihr Leben in kritisch reflektierender Auseinandersetzung mit religiöser Tradition, Normen und Sinnangeboten verantwortlich zu gestalten.

Die Person der Lehrenden in einer menschlich orientierten Schule ist dabei von großer Wichtigkeit: Junge Menschen suchen nach glaubwürdigen und authentischen Vorbildern. Sie haben ein Gespür für Unechtes.

Der Wunsch nach einem gelingenden Lebensentwurf verbindet uns, Schülerinnen und Lehrende. Unsere gemeinsame Suche nach Antworten auf die Grundfragen des Lebens wird nicht nur an den Religions- oder Philosophieunterricht delegiert, noch erschöpft sie sich in der rein informierenden Vermittlung von Kenntnissen. So suchen wir immer wieder nach Möglichkeiten, die Schülerinnen religiöse Erfahrungen machen und diese reflektieren zu lassen. Dazu gehören die Erfahrungen von Transzendenz, sowohl im Alltag als auch in Grenzsituationen: die Erfahrung von Gemeinschaft, die Erfahrung persönlich erwünscht zu sein und ernst genommen zu werden, die Erfahrung von Versöhnung und vieles mehr. Auch grundlegende Haltungen gehören zum Fundament religiösen Lebens: Achtsamkeit, Offenheit, Bereitschaft loszulassen, Ehrfurcht, Sensibilität und Staunen. Solche Haltungen wachsen in einem schülerinnenorientierten Klima der Freundlichkeit, der Achtung und Wertschätzung.

Der unbedingte Respekt vor den stets persönlich zu treffenden religiösen beziehungsweise weltanschaulichen Entscheidungen macht die Toleranz und Dialogbereitschaft gegenüber Andersdenkenden und Andersgläubigen zur Selbstverständlichkeit und zugleich zu einer immer neuen Aufgabe.

Eine ganzheitliche religiöse Erziehung betrifft die Verantwortung des Einzelnen gegenüber sich selbst und den Mitmenschen, gegenüber Gott und seiner Schöpfung. Deshalb stärken wir die eigene Wertschätzung, die Achtung der Andersartigkeit der Mitmenschen, die Erziehung zur Friedensfähigkeit und den gewissenhaften Umgang mit der Schöpfung Gottes und sehen hier Kernpunkte unseres Schullebens.

Innerhalb einer pluralistischen Gesellschaft mit ihren vielfältigen weltanschaulichen Positionen bietet die Marienschule ein klares Konzept und Profil an, das von einer einseitigen Leistungsorientierung abrückt. Die Namenspatronin unserer Schule Maria symbolisiert mit ihrer Geste der geöffneten Arme Offenheit gegenüber dem Menschen in seiner Begrenztheit, aber auch in seiner Einzigartigkeit.