4.3 Sozialkompetenz

Unter den Kompetenzen, die die Schule vermittelt, nimmt die Sozialkompetenz eine besondere Rolle ein, da sie die Schülerinnen befähigt, ihre gesellschaftliche Verantwortung zu erkennen und zu übernehmen.

Sozialpraktikum

"In einer Gesellschaft, in der die Leitbilder wie Jugendlichkeit und Sportlichkeit, Tüchtigkeit, Cleverness und Erfolg, Reichtum und Macht, Glück und Ansehen dominieren, schämt sich die Not und wagt es nur ausnahmsweise, sich zu Wort zu melden. Sie versteckt sich in Nischen, umgibt sich mit dem Panzer der Unnahbarkeit, verbirgt sich hinter Masken und Fassaden, stürzt sich in Hektik und Betriebsamkeit, betäubt sich mit Genuss und Lautstärke. Sie trägt viele Gesichter: Armut, Einsamkeit, Krankheit, Sucht und Perspektivlosigkeit, auch Schuld, um einige zu nennen." (Bischof Lehmann)

Um dieser Entwicklung im Rahmen schulischer Möglichkeiten entgegenzuwirken, soll jungen Menschen während ihrer Schulzeit die Chance gegeben werden, im Rahmen eines Sozialpraktikums in der Jahrgangsstufe 11 Erfahrungen zu sammeln, die normalerweise nicht zum Erfahrungshorizont eines Jugendlichen gehören. In der Begegnung mit Menschen, die krank, alt, hilflos, behindert oder allein gelassen sind, haben sie Gelegenheit, Solidarität und Nächstenliebe als wichtige Aspekte eines sinnerfüllten Lebens wahrzunehmen. Die Marienschule möchte mit diesem Projekt den Schülerinnen erlebbar machen, dass nicht nur das schulische Wissen von Bedeutung ist, auch nicht nur das im Unterricht vermittelte Glaubens-Wissen, sondern die Gestaltung des Lebens mit andern Menschen in ganz verschiedenen Lebenssituationen entscheidend ist für ein zufriedenes und glückliches Leben. Die Schülerinnen machen Erfahrungen, die zu ihrer eigenen Persönlichkeitsentwicklung beitragen und die ihnen die Dimension aktiver Mitmenschlichkeit und gelebter Solidarität öffnen.

Das Praktikum umfasst 14 Tage und soll in verschiedenen sozialen Einrichtungen absolviert werden; die Schülerinnen suchen sich die Einrichtungen selber aus. Von Seiten des Religionsunterrichts wird das Praktikum vorbereitet, und in einem anschließenden Workshop haben die Schülerinnen die Möglichkeit, ihre Erfahrungen auszutauschen und zu reflektieren (siehe 1.4).

Betriebspraktikum

Im Oktober 1985 hat sich die Schulkonferenz der Marienschule für ein Betriebspraktikum der Jahrgangsstufe 10 entschieden. Es dauert 14 Tage und findet jeweils in den letzten Wochen vor den Herbstferien statt. So haben die Schülerinnen die Möglichkeit, das Praktikum auf eigenen Wunsch zu verlängern.

Mit dem Berufspraktikum werden folgende Ziele verbunden:

Die Vor- und Nachbereitung des Praktikums geschieht im Rahmen des Deutsch- und Politikunterrichts. Zusätzlich besuchen die Schülerinnen der Klassen 9 das Berufsinformationszentrum des Arbeitsamtes (BIZ) und einen Vortrag über Bewerbungsverfahren.

Bezüglich der gewählten Berufsfelder lässt sich ein breites Spektrum ausmachen. Die Mädchen sind z.B. in folgenden Bereichen tätig: in Architektur- und Designerbüros, im Dienst bei der Polizei, in wissenschaftlichen Instituten, in Hotels und Banken oder Sparkassen, an den Städtischen Bühnen, im Kindergarten, in der Apotheke und im Krankenhaus, auch beim Schreiner oder Förster.

Durch ein Ausstellungsplakat und mit einer schriftlichen Reflexion müssen die Schülerinnen ihre Arbeit im Betrieb darstellen.

Selbstverteidigung und Selbstbehauptung für Mädchen

Im Rahmen der mädchenbezogenen Pädagogik der Marienschule werden Veranstaltungen zu Selbstverteidigung und Selbstbehauptung im Sinne einer persönlichkeitsstabilisierenden Bildung angeboten.

Seit ca. 1990 haben vor allem die Schülerinnen der Jahrgangsstufen 7 und 8 Gelegenheit, zusammen mit einer Trainerin des Vereins für Frauensport und Selbstverteidigung ihre physischen und psychischen Stärken zu erproben. Für die Oberstufe ist gegenwärtig eine Folgeveranstaltung anvisiert.

Natürlich kann in wenigen Tagen keine der klassischen Kraft - und Kampfsportarten erlernt werden. Einen kleinen Eindruck bekommen die Mädchen aber doch, wenn sie z.B. mit einem Handkantenschlag oder einem Fausthieb ein Brett zerschlagen können.

Grundsätzlich ist festzuhalten: Es geht nicht darum zu ängstigen, vielmehr dominieren Optimismus und Ermutigung. Die Mädchen sollen sich als tatkräftig und umsichtig erleben, als werdende Persönlichkeiten, die in der Lage sind, das Leben mit all seinen Anforderungen zu meistern.