2.4 Stufenkonzepte

Erprobungsstufe

Der Erprobungsstufe, die die Klassen 5 und 6 umfasst, kommt eine hohe pädagogische Bedeutung zu. Die Schülerinnen bringen Erfahrungen und Fertigkeiten aus der Grundschule mit, die vertieft, ergänzt oder verändert werden. Um dem Sinn der Erprobungsstufe gerecht zu werden, gibt es keine Versetzung von der Klasse 5 in die Klasse 6.

Unser Konzept in der Erprobungsstufe sieht vor, die Schülerinnen allmählich mit den Anforderungen und Methoden des Gymnasiums vertraut zu machen, damit die Mädchen sich von Anfang an in unserer Schule wohl fühlen. Sie erleben, dass Lernen Spaß macht, dass wir ihre Aktivitäten, Begabungen und auch ihre Kreativität begrüßen. Neben den geltenden Richtlinien für die einzelnen Fächer eines Gymnasiums wollen wir zu den Schülerinnen aus verschiedenen Perspektiven Brücken schlagen.

Mittelstufe

In der Mittelstufe werden sowohl die Schülerinnen als auch die Lehrerinnen und Lehrer in ihrer Erziehungspartnerschaft mit den Eltern in besonderer Weise gefordert. Die Pubertät der Jugendlichen überlagert vielfach den natürlichen Lernimpuls, die Neugier auf neue Wissensbereiche und auch die Anstrengungsbereitschaft. Die Prozesse der Persönlichkeitsbildung und der Identitätsfindung erfordern ein sicheres Umfeld, in dem diese Entwicklung stattfinden kann. Die Jugendlichen brauchen hierfür das Verständnis von Elternhaus und Schule, aber auch die Erfahrung von Grenzen und Forderungen. Dem muss auch der Unterricht Rechnung tragen. Er muss versuchen, einerseits an die Lebenswelt der Schülerinnen anzuknüpfen, andererseits aber auch diesen Horizont zu überschreiten und ihnen neue Themen zu eröffnen. Ihre Motivation darf nicht allein auf Fächern und Gegenständen beruhen, sondern die Bereitschaft, sich kontinuierlich zu engagieren, muss als wichtiger Baustein für den Erfolg in der Oberstufe von Lehrern/innen und Eltern auch geweckt, gefördert und eingefordert werden. Dies versuchen wir durch unsere pädagogische Arbeit zu unterstützen.

Beim Übergang der Schülerinnen in die Mittelstufe behalten wir den gewohnten Klassenverband der Erprobungsstufe bei, lediglich in der zweiten Fremdsprache werden neue Lerngruppen gebildet. Die Schule fördert die kontinuierliche pädagogische Arbeit und die Zusammengehörigkeit in der Klasse und in der Jahrgangsstufe.

Die im Laufe der Mittelstufe steigenden schulischen Anforderungen treffen die Schülerinnen in einer entwicklungspsychologisch schwierigen Lebensphase. Die Schule bemüht sich, ihnen über die Vermittlung von Sachwissen hinaus Orientierungshilfen zu geben. Eine Vielzahl von Möglichkeiten zum Engagement steht den Jugendlichen zur Verfügung: Rechtskunde AG, Theater AG, Eine-Welt-AG, Tanz AG, aber auch Wettbewerbe, Austausche, Streitschlichter-Training, Mitarbeit in der SV. Bei Bedarf können sie vertraute Lehrerinnen und Lehrer, ggf. auch eine Fachkraft zur individuellen Beratung in Anspruch nehmen.

Wesentliche Bedeutung für die eigene Identitätsfindung kommt den Tagen religiöser Orientierung und dem Betriebspraktikum in der Jahrgangsstufe 10 zu.

Neben der Förderung der persönlichen und der sozialen Kompetenz spielt in der Mittelstufe hier aber die Vermittlung von fachlichem und methodischem Wissen eine besondere Rolle. Das in der Erprobungsstufe grundgelegte fächerübergreifende Arbeiten wird fortgesetzt und vertieft. Dies führt konsequent zu fächerverbindenden Kombinationen, die im Wahlpflichtbereich der Jahrgangsstufen 9 und 10 angeboten werden.

Der Differenzierungsbereich (Jahrgangsstufe 9 und 10)

Es ist das Ziel der differenzierten Mittelstufe in den Klassen 9 und 10 (Wahlpflichtbereich II) die Schülerinnen auf das Kurssystem der Sekundarstufe II vorzubereiten.

Folgende Fächer und Fachkombinationen werden im Schuljahr 2004/05 angeboten:

Im Differenzierungsbereich bietet sich den Schülerinnen die Möglichkeit, Schwerpunkte nach ihren eigenen Begabungen und Interessen zu setzen. Dieser Bereich ist somit eine wichtige Vorbereitung auf die Oberstufe. Die Angebote sind als zweijährige Kurse konzipiert. Der Unterricht im sprachlichen Angebot (Italienisch / Französisch) findet vierstündig statt, die anderen Fächerkombinationen werden in der Regel dreistündig, an der Marienschule aber nach Möglichkeit vierstündig erteilt.

Die Fremdsprachen (Italienisch / Französisch)

Das Erlernen beider Sprachen eröffnet den Schülerinnen nicht nur vielfältige Möglichkeiten der Kommunikation, sondern erweitert ihren Horizont durch das Kennenlernen anderer Kulturen und Traditionen. Direkte Kontakte mit der Zielsprache (z.B. während der Parisexkursion der Jahrgangsstufe 9 und des städtischen Orléans - Austausches) spornen an und motivieren. Seit Kurzem bieten wir auch das Fach Italienisch den Schülerinnen als weitere Fremdsprache an.

Werken

Im Differenzierungsbereich wendet sich das Fach Kunst an anschaulich und praktisch begabte Schülerinnen. Unser Angebot versteht sich als fächerübergreifendes, ganzheitliches Projekt, bei dem im Fach Werken vielfältige Erfahrungen gemacht und elementare Kenntnisse erworben werden können. Von der technischen Zeichnung über Materialerkundung und -verarbeitung bis zum funktionstüchtigen Produkt sollen alle Stufen der Planung und Herstellung durchlaufen werden. In Absprache mit den Schülerinnen werden z.B. Bücher gebunden oder Musikinstrumente und andere komplexe Objekte gebaut.

Wirtschaft mit Sozialkunde

Das Differenzierungsangebot WiSo bezieht sich - wie das Fach Politik in der Sekundarstufe I und das Fach Sozialwissenschaften in der Oberstufe - auf Wirtschaftswissenschaft, Soziologie und Politologie. wobei auch sozialpsychologische, rechtswissenschaftliche, ökologische und erziehungswissenschaftliche Begriffe und Ergebnisse aufgenommen werden. Orientiert an aktuellen Fragestellungen steht die Ausbildung von Urteils- und Handlungskompetenz durch den Erwerb von grundlegenden Sachkenntnissen und einer sachkundigen Auseinandersetzung mit politisch-gesellschaftlichen Problemfeldern im Vordergrund. Dies schließt den kritischen Umgang mit den neuen Medien ebenso ein wie den Blick in die Geschichte. Das Profil ergibt sich jedoch aus der Akzentuierung des Lernfeldes Wirtschaft und der Betonung der Handlungs- und Projektorientierung. Dem entsprechend werden z. B. auch Wettbewerbsteilnahmen in den Unterricht integriert wie das Planspiel Börse oder der StartUp-Wettbewerb, bei dem sich die Schülerinnen als Unternehmensgründerinnen versuchen.

Integrierte Naturwissenschaften

In diesem Differenzierungsangebot werden, ausgehend von den im bisherigen Physik-, Chemie- und Biologieunterricht erworbenen Kenntnissen, fächerverbindende naturwissenschaftliche Themen behandelt, die

Für die Arbeit mit dem Computer erfolgt eine Einführung in die Grundlagen der Text- und Zahlenverarbeitung (Word, Excel o.ä.). Die Lerngruppe erstellt Diagramme und Graphiken und vertieft das Arbeiten mit dem Internet.

Beispiele für die naturwissenschaftlichen Projektthemen sind: ökologische und hydrochemische Untersuchungen an einem See, physikalische und chemische Grundlagen der Fotografie, Energiestoffwechsel mit dem Schwerpunkt Ernährung, Einführung in Elektronik.

Die Informatikkenntnisse werden mit dem Erlernen digitaler Bildverarbeitung und einer einfachen Programmiersprache erweitert.

Oberstufe

Die Grundprinzipien der pädagogischen Arbeit der Erprobungsstufe und der Mittelstufe gelten unverändert auch in der Oberstufe. Hinzu kommt eine starke Fokussierung auf die Ausbildung von Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit.

Neben den aus der Sekundarstufe I bekannten Fächern bietet die Marienschule in der Oberstufe verschiedene neue Fächer an. Im Sprachenbereich ist dies z.Z. Italienisch, im Aufgabenfeld Gesellschaftswissenschaften sind es Pädagogik, Philosophie und Sozialwissenschaften und im Naturwissenschaftsbereich Informatik. Wenn ein entsprechender Bedarf durch neue Schülerinnen aus der Real- oder Hauptschule besteht, sind auch Angleichungskurse in Deutsch, Englisch oder Mathematik möglich. Für "Springerinnen", vorversetzte Schülerinnen, bietet die Marienschule individuelle Förderung durch die einzelnen Fachlehrer.

Mit den Kurswahlen zur Jahrgangsstufe 12 setzt jede Schülerin die Schwerpunkte für ihre individuelle Schullaufbahn bis zum Abitur. Die Wahlen werden durch ausführliche Informationen und intensive Beratungsgespräche zwischen Schülerin / Eltern und Oberstufenkoordinator und Beratungslehrer/in vorbereitet und begleitet.

Die Marienschule bemüht sich, ihren Schülerinnen ein breites Angebot an Leistungs- und Grundkursen zu bieten. Dieser Absicht entspricht auch die Kooperation mit dem Gymnasium Paulinum. Dabei legt die Marienschule als bischöfliche Schule großen Wert darauf, dass ihre Schülerinnen Kurse in bestimmten Fächern (etwa Deutsch, Religion, Philosophie) an der eigenen Schule besuchen. Grundsätzlich soll im Leistungskursbereich mindestens ein Leistungskurs an der Marienschule stattfinden.

Natürlich ist die Fortsetzung des bilingualen Bildungsganges auch in der Oberstufe gesichert. Die entsprechenden Kurse werden eingerichtet, wobei sich das bilinguale Sachfach (z.Z. Biologie, Erdkunde) nach den mehrheitlichen Wünschen der Schülerinnen richtet.

In allen Jahrgangsstufen der Oberstufe werden die unterschiedlichen Kontakte zu ausländischen Schulen und Partnern durch die Marienschule gewünscht und gefördert. In der Stufe 11 sind dies vornehmlich individuelle Auslandsaufenthalte unterschiedlicher Länge. Nach der Rückkehr erhalten die Schülerinnen entsprechende Unterstützung und Hilfe; so gibt es etwa die Möglichkeit, das Latinum noch in der Jahrgangsstufe 12 zu erwerben.

In den Stufen 12 und 13 bietet die Schule die Gelegenheit an unterschiedlichen Austauschprogrammen teilzunehmen (Schweden / Italien) (siehe 5.3).

Die gemeinsamen Studienfahrten finden in der Stufe 11 nach Berlin und in der Stufe 13 nach Rom statt. Im Halbjahr 13.1 erfolgt eine fachgebundene mehrtägige Exkursion der Biologie-Leistungskurse zur Insel Spiekeroog.

Zur besonderen Förderung wissenschaftspropädeutischen Arbeitens wird im Halbjahr 12.2 die erste Klausur in einem Fach durch die Facharbeit ersetzt. Die Schülerinnen haben die Möglichkeit, sich für ein Thema aus einem Leistungskurs oder Grundkurs, der schriftlich belegt ist, zu entscheiden.

Neue Akzente werden durch das Projekt "Junior-Universität" gesetzt. Besonders leistungsfähige und motivierte Schülerinnen haben ab dem Halbjahr 12.2 die Möglichkeit, Lehrveranstaltungen der Westfälischen-Wilhelms-Universität zu besuchen (siehe 3.2).

Am Tag der offenen Tür an der WWU Münster erhalten unsere Schülerinnen der Stufen 12 und 13 Gelegenheit, Informationen zu den verschiedenen Studienmöglichkeiten direkt in der Universität zu gewinnen. Dieser Tag wird in der Schule entsprechend vorbereitet. Daneben bieten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Arbeitsamtes regelmäßig Sprechzeiten in der Marienschule an, in denen sich die Schülerinnen der Oberstufe individuell zu Studien- und Berufsmöglichkeiten informieren können.

Für das Schuljahr 2004/05 plant die Marienschule ein Sozialpraktikum (siehe 4.3) für die Schülerinnen der Stufe 11. Dieses zweiwöchige Praktikum findet zum Ende des ersten Halbjahrs statt.

Natürlich unterstützt und fördert die Marienschule auch verschiedene Aktivitäten, die über den normalen Unterricht hinausgehen und dem gemeinschaftlichen Zusammenleben dienen. Dazu gehören u.a. Kurstreffen, gemeinsame Theater- und Kinobesuche und Feste auf Stufenebene. Eine große Rolle spielen die gemeinsamen Vorbereitungen der Abiturfeiern, die schon in der Stufe 12 beginnen und mit der Gestaltung des letzten Schultags (Verabschiedung von den Mitschülerinnen), der Abiturzeitung, dem Abiturgottesdienst, der Abiturfeier und dem Abiturball enden.

Im Januar vor dem Abitur finden noch einmal Tage religiöser Orientierung statt. Dieses Angebot nehmen die Schülerinnen in der Regel sehr positiv auf.